HEx Bratislava, Wien und Budapest

Hochbau, Fertigteile, Bahn-und Brückenbau: Das alles gab es bei unserer diesjährigen Herbstexkursion nach Bratislava, Wien und Budapest zu besichtigen.

Am Montagmorgen des 14. November 2022 ging es für 17 Studierendedes Bauingeneurwesensmit dem Auto auf nach Bratislava, Wien & Budapest. Bereits auf der Fahrt zu unserem Hostel in Bratislava machten wirschonan der ersten Baustelle halt. Uns wurde eine Gleisbaustelle mit einer Gesamtlänge von 16,3kmund einem Gesamtinvestitionsvolumen von 323 Mio. € gezeigt.Insgesamt 8 Gleise werden abschnittsweise unter laufendem Bahnbetrieb erneuert, um zukünftig mit höheren Geschwindigkeiten (bis zu 160km/h) auf dieser Strecke fahren zu können. Wir habenuns neben dem normalen Gleisbau die Errichtung einerÜberführungsbrückefür eine Schnellstraßeangeschaut. Deren Rampen wurden in Ortbeton hergestellt, während die Fahrbahnplatte aus Fertigteilen hergestellt wurde.

Bild 1

Am nächsten Tag ging es für einen Tagesausflug nach Wien. Dort besichtigten wir am Vormittag die Baustelle der „Danubeflats“in der Donaucity. Im Hochhaus konnten wir auf verschiedenen Etagen verschiedene Phasen des Baufortschritts, von Rohbau über Fassade bis zum fertigen Estrich besichtigen. Da die Wohnfläche im Gebäude sehr wertvoll ist wurden verschieden konstruktive Maßnahmen ergriffen,um diese zu maximieren. Zum einen wurden sogenannte „INSTA-BLOCS“ verbaut. Dies sind Fertigteile, in welchendie gesamte Medienführung(Wasser, Abwasser, Heizung, ...)bereits enthalten ist. Dies werden im Rohbau etagenweise mit eingebaut und vor Ort nur noch „Zusammengesteckt“. Eine konventionelle Installation der Medienführung würde ca. 1,5 mal so viel Fläche verbrauchen.Des Weiterenwurden möglichst schmale Stützen verbaut. Bei schmalen Stützen wird der Beton aus welchem diese bestehen jedoch infolge der hohen Auflast relativ stark Zusammengedrückt (Stützenpressung). Der im Gegensatz dazu Steife Gebäudekern drückt sich kaum zusammen. Somit kommt es zu einerDurchbiegungder vom Kern abgehenden Decken. Aus diesem Grund wurden die Decken mit einer statischen Überhöhung errichtet. Das Überhöhungsmaß unterscheidet sich für jede Etage und für jeden Ausbauzustand (Rohbau, Estrich, Fassade,...), weshalb dieseBauweise eine relativ ausgiebige Planung benötigte.

Eine weitere Besonderheit ist die unter der ausladenden Gebäudebasis hindurchführende Autobahn, in welche keine Lasten eingeleitet werden dürfen. Deshalb hängen mehre Etagen des Gebäudes als auskragender „Rucksack“ am Hochhaus(siehe Bild 3). Dieser Teil des Gebäudes wurdevon oben nach unten betoniert. Die unteren,über der Autobahn befindlichen Etagen wurden als eine Art „Brücke“ errichtet. Der „Rucksack“ und die „Brücke“ sind statisch entkoppelt, da beide Gebäudeteile sich voraussichtlich unterschiedlich setzten werden: Das Hochhaus mehr als der ehr flache Teil auf der anderen Seite der Autobahn.Des Weiterenführt die Auflast des Gebäudes aufgrund des schlechten Baugrundes zu einer Setzungdes Widerlagersder benachbarten Reichsbrücke. Diese Setzungenwerden gemessen. Bei einer Setzung > 10mm wird mittels injizierterZementsuspension eine Art Kissen unter demWiederlager erstellt, welches die Setzungen ausgleicht. Dies wird während der Bauzeit voraussichtlich mehrmals wiederholt werden müssen.

Bild 2

Nach ein wenigFreizeit um Wien zu besichtigen und Mittag zu essen, ging es zu unserer zweiten Baustelle, welche etwas Außerhalb von Wien lag. Hier wurde ein Ersatzneubau für eine Hangbrücke errichtet. Als Hangbrücke bezeichnet man ein an einen Hang gebautes brückenähnliches Bauwerk zur Führung eines Verkehrsweges, in diesem Fall einer vierspurigen Straße, welche Wien mit dem Umland verbindet. Sowohl auf der Straße als auch auf der danebenliegenden Bahntrassemusste laufender Verkehr dauerhaft gewehrleistet werden können, was den Platz für die Baumaßnahmestarkbeschränkte. Durch die Bahntrasse wahren Arbeiten mit Großgerät unter der Brücke praktisch unmöglich. Deshalb wurden in den Oberbau der alten Brücke zunächst Löcher geschnitten, durch welche mit einem Bohrpfahlgerät die 520 Löcher der Pfahlgründungen der neuen Brücke errichtet werden konnten.Dies stellte eine statische Herausforderung dar, weshalb die alte Fahrbahn zuvor mit Balken ausgelegt wurde um dieLasten besser zu verteilen.Auf den Pfählen wurden Stützenund Unterzügeerrichtet, welche die alte zunächst Brücke abstützen. Daraufhin konnte die alte Fahrbahnplatte abschnittsweise abgebrochen und ersetzt werden. Dafür wurde nach dem Abbruch des Bestandsbauteiles Halbfertigteilplatten auf die Unterzüge gelegt, um einen Arbeitsraum zu schaffen. Von diesen Platten aus konnten dann weitere Schalungen und Bewehrungen sowie Rückverankerungsbohrungen erstellt werden. Nach Fertigstellung der neuen Fahrbahnensoll der Verkehr auf diese umgeleitet werden, und die in den Hang gebauten Fahrbahnen im Nachgang ebenfalls erneuert werden.

Bild 3

Am Mittwoch schauten wir uns am Vormittag die Innenstadt von Bratislava mit ihren Zahlreichen alten Gebäuden an. Am Nachmittag besichtigten wir die Baustelle des Eurova-Towers. Dieses Hochhaus wird mit 168 Meternüber 45 Stockwerkeeinmal das höchste Gebäude der Slowakei werden.Der Rohbau war bereits weitestgehend fertiggestellt.Nach einer kurzen Unterweisung und Einführung in das Projekt ging es für uns in einem sehr engen Bauaufzug hoch hinaus in den 40. Stock des Gebäudes. Hier gab es neben der großartigenAussicht über die Stadt auch weitere Informationen über die Baustelle. Unteranderem erfuhren wir, dass in den oberen Stockwerken Plastikbälle in die Decken eingelegt wurdenum das Gewicht der Konstruktion zu verringern. Dabei wird zuerst die untere Bewehrungslage eingebracht, dann die Plastikbälle und dann die obere Bewehrungslage. Um ein Aufschwimmen der Bälle zu verhindern, wird erst ein Drittel der Bauteilhöhe betoniert, und danach gewartet bis der Beton etwas anhärtet. Danach werden die restliche zwei Drittel eingebracht. Die massiven Betonwände des Tragenden Betonkernes werden nach oben immer schlanker,da die maximalen Momente infolge Windbelastung eher im unteren Teil des Gebäues wirken. So war es in höheren Geschossen wirtschaftlicherdie Wände und Stützen mit einem Kübeln zu betonieren, obwohl die Zeit für ein Kranspiel bis zu 10 Minuten betrug.Diesliegt daran, dass man gerade in großen Höhen hohe Leitungsverluste (Beton welcher nach dem Ende der Betonage in der Leitung verbleibt) und Reinigungsaufwendungen hat.Die Decken wurden im gesamten Gebäude mit einer stationären Betonpumpe hergestellt.

Nach der Besichtigung ging es für uns weiter in Richtung Budapest. Dort kamen wir am Abend in unserem Hostel an. Einige von uns waren am Abend noch in einer der Ruinenbars für welche Budapest bekanntist. In verfallen Häusern haben dereinst Studenten provisorische Bars mit alter, zusammengewürfelter Einrichtungaufgebaut. Diese sind zwar heute zum großen Teil fürTouristen ausgelegt, bieten aber immer noch ein einzigartiges Ambiente. IMG 4217

Am Donnerstag verbrachten wir den gesamten Tag an der „Budapest University ofTechnology and Economics“ (BME). Dort wurden wir von Studierenden des dortigen Fachschaftsrates willkommen geheißen. Am Vormittag hörten wir uns verschiedene englischsprachige Verteidigungen von Bachelor-und Masterarbeiten aus dem Bauingenieurwesen an.Nach dem Mittagessen bekamen wir noch eine Campusführung und hatten Zeit uns mit denStudierenden über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede unsers Studiums und Alltages auszutauschen. Am Abend lernten wir uns dann bei dem ein oder anderen Bier in der Studentenbar im Keller des Wohnheimes besser kennen.
Frisch und ausgeruht ging es am Freitagvormittag an den Stadtrand von Budapest. Hier besichtigten wir ein Fertigteilwerk der STRABAG. In diesem gab es zwei Arbeitesstrecken: Eine für Balken-und eine für Plattenbauteilen. Des Weiterenverfügt das Werk über ein Spannbett für Spannbetonbauteile. Sowie über zwei Werkstätten zur Holz-bzw. Metallverarbeitung, um Schalung und Bewehrungsbauteile vor Ort herstellen zu können. Im Werk konnten wir uns die Arbeitsweise eines speziellen Punktschweißgerätes für Bewehrungsanschlüsse sowie eines Bewehrungsbiegegerätes in einer Livedemonstration anschauen. Auch die großen Schaltische auf denen Plattenbauteile hergestellt werden und die Portalkräne,mit denen die ausgeschalten Fertigteile aus der Halle transportiert werden,waren beeindruckend. Die Werksleitung stand uns Rede und Antwort zu allen Fragen,die wir hatten. Auf dem Werksgelände konnten wir außerdem noch einen Blick in eine im Bau befindliche Halle werfen in welcher zwei neue Spannbetten entstehen. Diese mussten aufgrund der hohen Zugbelastung, welche beim Spannen entsteht mit Pfählen im Boden verankert werden, um ein „Zusammenklappen“ des Bodens zu verhindern. Im Anschluss an die Werksführung fuhren wir noch auf einenahegelegene Baustelle. Dort wurde aus Fertigteilen,welche im Werk produziert wurden eine neue Lagerhalle gebaut. Wir konnten uns den Einbau einer Fertigteilstütze in ein Köcherfundament vor Ort live ansehen. Davon hielt uns auch der strömende Regen an diesem Tag nicht ab. Bei einem Köcherfundamten wird erst ein Betonköcher in Ortbeton hergestellt. In diesen wird nach dem Ausschalen eine Fertigteilstütze eingestellt. Diese wird auf einem Dorn positioniert,um sie Senkrecht ausrichten zu können. Danach wird die Fuge mit Ortbeton verfüllt und so ein kraftschlüssiger Verbund hergestellt. Die spezielleForm des Köchers und des Stützenfußes dienen der Verbesserung des Verbundes.

Bild 5Bild 6Bild 7

Am Nachmittag hatten wir Freizeit. Aufgrund des anhaltenden Regens teilte sich unsere Gruppe in einen Teil,der das Tropicarium, und einen anderen Teil,der das Museum der bildenden Künste in Budapest besichtigte.

Am Samstag habenwir an einen Free-Walking-Tour teilgenommen, um die Stadt Budapest besser kennenzulernen. Neben der St. Stephans Basilika und dem größten Parlamentsgebäude Kontinentaleuropas und vielen anderen schönen Gebäuden und Plätzen zeigte uns unsere Stadtführerin auch ein Denkmal welches an die Befreiung von Nazideutschland erinnerte. Obwohl die Formsprache des Denkmals,welche Deutschland als den Bösen zerstörerischen Adler gegenüber dem unschuldigen Erzengel Ungarn es anders vermuten lässt wurde das Denkmal erst 2014 über Nacht errichtet. Die Darstellungdes unschuldigen Ungarns wird von der Bevölkerung jedoch eher kritisch betrachtet, da die Zusammenarbeit der ungarischen Behörden mit den Deutschen zur schnellsten Deportation,die es je gegeben hat führte. Deshalb entstand vor dem Denkmal, welches von der Regierung errichtet wurde, ein Gegenentwurf der Bevölkerung: Hier sind an Pollern vor dem Denkmal Geschichten deportierter Juden angebracht, dort liegen auch Steine (ein jüdisches Symbol des Gedenkens) sowie zurückgelassene Koffer und Schuhe. Nach der Tour hatten wir noch Zeit,um die Stadt auf eigene Faust weiter zu erkunden und sich zum Beispiel die wunderschöne Fischerbastei zu besuchen.

Am Abend ließen wir die Exkursion bei einem schönen gemeinsamen Essenauf Vereinskosten ausklingen. Hier hatten wir auch nochmal Zeit uns über das viele gesehene auszutauschen. Für einige von uns ging es danach noch in einen Club, in welchem wir den Abend ausklingen ließen. Am nächsten Morgen ging es nach dem Frühstück auchschon wieder heimwärts. Am späten Nachmittag kamen wir wieder in Dresden an. So dass wir alle rechtzeitig zum Sandmann wieder zu Hause waren.

Wir haben alle viel erlebt und gesehen. Unser aller dank für diese tolle Herbstexkursion gilt allen Menschen die uns Einblick in die verschiedenen Baustellen gegeben haben, allen die sich an der Organisation beteiligt haben sowie nicht zuletzt unseren Mitgliedsfirmen die durch ihren Beitrag Exkursionen wie diese ermöglichen.

 

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